Afrika / Reiseblog

Südafrika – Weltreisetagebuch Teil 4

Montag, 17. Februar 2020, Kapstadt Airport

Der 1. Teil meiner Weltreise ist vorbei, „der softe Einstieg“. Der Einstieg mit den Liebsten. Familie. Die Zeit mit der Family war toll. Ich hatte viel, viel Zeit mit Papa… und natürlich auch mit den Kids und meinem Bruder.

Gelandet bin ich Sonntag vor einer Woche um 9.30h. Natürlich kaum geschlafen im Flieger. Da standen schon Brudi und Nichti mit ihrem kleinen Roller am Airport: da war alle Müdigkeit vergessen. Ich bin also wirklich geflogen! Dann kam auch schon Papa um die Ecke, und stilecht sind wir erst mal zum Picknick auf ein Weingut gefahren. Ich liebe diese Weingut-Picknicks. Mit „Bubbles“ (so wird Sekt von uns liebevoll genannt) erst mal angestoßen. Leo hatte ein tolles Picknick bestellt mit Brot, Käse, Biltong (getrocknetes Fleisch), Salaten, Obst, carrot cake. Das Weingut ist nur eine halbe Stunde von Brudis Zuhause entfernt. Abends haben wir im Garten gegrillt. Ich liebe den Sommer, die Sonne und das Licht einfach. Die Nacht war lang und schlafintensiv. Ich liebe es! Ausgeschlafen sein ist toll.

Montag erst zur geliebten Waterfront. Papa und ich haben an einem Steg einen Seelöwen entdeckt, der sich offensichtlich dort schon häuslich eingerichtet hat, weil er von einem Bootsinhaber gefüttert wird, und den wir dann täglich an dieser Stelle finden konnten. In der Markthalle bin ich mal wieder an einer großen Ration Biltong nicht vorbei gekommen (muss auf jeder Reise 1x sein).

Dann sind wir 2 Tage weiter gezogen Richtung Swellendam. Mit dem Mietwagen! Abenteuer Linksverkehr. Ich habe mich fürs Fahren „geopfert“, muss ich in den nächsten Monaten doch eh den ein oder anderen Linksverkehr managen. Dann lieber jetzt in Begleitung. Durch die Rush Hour von Kapstadt mit dem Auto fühlt sich an wie sich vor ein Rudel Wölfe stellen und dabei noch die Zunge rauszustrecken. Meine Fresse, das war mal dezent anstrengend. Papa hörte ich im back off immer nur rufen:“weiter rechts, reeeeeechtttsssss!“ und sich dabei an der Halterung festhalten. Keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte, ich fand mich gar nicht so schlecht;-) jedenfalls habe ich beim Fahren in Südafrika gelernt: immer schön selbst bewusst tun, und wenn Du denkst, keiner kann Dir was: einfach drauf losfahren. Anders hast Du keine Chance!

Swellendam finde ich immer noch hässlich. Aber das Guesthouse Grace Walk, geführt von einer deutschen Auswanderfamilie mit 2 Hunden „John“ und „Hermine“, (John meinte dann auch direkt in meinem Zimmer sein Revier markieren zu müssen und an den Stuhl im Zimmer pinkeln zu müssen) war super süß, und wir haben es geliebt, erst mal in den erfrischenden Pool zu springen und zu chillen. Die Straßen am Rande von Swellendam sind echt süß, und wenn man so durch die Straßen geht entlang der kleinen Häuschen, fühlt man sich ein wenig wie in den Südstaaten der USA. Am Abend waren wir dann in Papas Lieblingsrestaurant Drostdy (Tipp: unbedingt reservieren!) mit einer traumhaften Aussicht und kostenfreier Betreuung von 100 Mücken (welche nur mir ihre volle Aufmerksamkeit an diesem Abend schenken wollten. Ich sah am nächsten Tag an den Beinen aus, als hätte ich die Masern. Gut, dass ich 3 Flaschen Moskitospray aus Deutschland mitgebracht habe, die für Übergepäck sorgten, aber mich vor den Mücken retten sollten. Die Sprays waren in der Wohnung in Kapstadt bestens aufgehoben, damit bloß niemand sich über sie hermacht 😉 egal – das Essen war großartig und feudal, dennoch im Verhältnis zu Deutschland kommt man mit 3 Gängen, einer Flasche vorzüglichem Pinotage und Wasser mit umgerechnet 30 Euro pro Person aus. Südafrika ich liebe Dich ;-)ok, zugegebenermaßen hat Papa sowieso bezahlt – aber psst.

Am nächsten Morgen ging es dann in den Nationalpark de Hoop. 1 Stunde Schotterpiste haben sich wirklich ausgezahlt, auch wenn ich zwischendurch echt Schiss hatte, lagen doch diverse Reifenteile schon am Wegesrand von irgendwelchen Vorgängern. Aber ich wurde mit der Zeit mutiger und habe es von Schritttempo immerhin auf stolze 70km/h geschafft. De Hoop ist noch ein richtiger Geheimtipp. Kaum ein Mensch, ein unglaubliche Weite, das Blau so blau, wie es nur blau sein kann, die schönsten Dünen, die ich je gesehen habe… und dann auf einmal unzählige Tiere, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte: da lagen Zebras am Wegesrand, eine Mama mit ihrem Fohlen, ein Affe hüpfte über die Straße, Straußen mampften Gras…. nix Zoo! Wie großartig die Natur doch ist. Ich hätte heulen können vor Freude.

Der Rückweg 2 Tage später nach Kapstadt führte uns über Hermanus und die süße Pinguin-Bucht von Betty’s Bay, die im Vergleich zu Boulders Beach noch nicht ganz so touristisch ist. Pinguine sind gesellige Zeitgenossen, und so habe ich am Valentinstag ein kleines Pinguinpärchen getroffen, welches in meiner romantischen Vorstellung bis an sein Lebensende zusammen bleiben wird 🙂 wir sind bei der Autorückgabe gleich in Downtown Kapstadt geblieben. Jo und Leo haben 15jährigen Jahrestag. Erstmal 3 Flaschen Pongracz Rosé schlürfen (ein MUST in Südafrika), dann dürfen wir alle im Radisson Red (highly recommended) ein Gin Blending machen. Was soll ich sagen? Ich taufe meinen Gin auf den Namen „Kathi has a dream“. Er schmeckt vorzüglich, sehr fruchtig durch die Zitronen-, Orangen-, und Grapefruitaromen, ein wenig Thymian, Sage und Honeybush und fertig. Wir haben noch ein paar Mini Burger gegessen und sind dann sturzbetrunken nach Hause gefahren. Zum feisten Dinner sind wir gar nicht mehr gekommen.

Das Wochenende war sehr gechillt. Wieder mal ein neuer Markt: Oranjezicht City Farm Market in der Nähe der Waterfront mit traumhaftem Blick auf das Wasser. Sehen und gesehen werden, aber das Essen ist vorzüglich. Der Markt ist erst vor ca 3 Jahren an diese Stelle gezogen. Es gibt Summer Rolls, Avocadobrote, Pastels de Nata (viele Portugiesen in der Ecke), Roibos Iced Tea. Roibos gibt es sowieso an jeder Ecke. Abends wieder gegrillt. Mega Tuna und Spinatsalat mit karamellisierten Walnüssen, Erdbeeren und Feta. Jo kann meiner Meinung nach ein Restaurant aufmachen. Bin schwer beeindruckt von seinen Kochkünsten. Der Gin wird in Form von Gin Tonic natürlich noch mal nachgetestet. Sonntag dann nächster Markt in Hout Bay. Zum Glück überdacht, denn es ist relativ frisch am Sonntag. Abends zum Summer Concert in den Botanischen Garten von Kirstenbosch. Dort sind bis März jeden Sonntag Konzerte, man bringt Picknick mit, und wirklich alle Generationen treffen sich. Ich liebe es dort. Ina, weist Du noch unser 1. Summer Concert dort?

Summer Concert Kirstenbosch

Ja und nun ist der Abreisetag gekommen. Papa und ich gehen morgens ins Museum über Christiaan Barnard und die 1. Herztransplantation: Heart of Cape Town Museum. Ein echter Geheimtipp mit einer großartigen Führung, nicht nur für Ärzte. Mittags ein letztes lunch mit Jo an der Waterfront, noch mal nach „unserem“ Seelöwen Ausschau gehalten, und dann hat Papa mich verabschiedet. Er hat gewunken und gewunken. Der Uber-Fahrer hat sich total gefreut und abgefeiert. Papas letzte Worte:“ und wo immer Dir was passieren sollte, ich komme!“ Auch wenn ich das nicht hoffen mag, aber nach der gesundheitlichen Vollkatastrophe 2019 beruhigend und eine Wohltat und total lieb. Danke liebster Tapschel! So, nun geht es also alleine weiter. Ich bin jetzt heiß auf das Weiterreisen und neue Eindrücke! Bye bye South Africa, thanks for having me. Hello Tansania! 💜

Christiaan Barnard
Heart of Cape Town Museum