Reiseblog

Alleine im Nirgendwo – wenn der Traum einer Weltreise zerplatzt

Donnerstag, 9. April 2020
Cairns, Australien

Nun geht es also wieder heim. Fast auf den Tag genau 2 Monate später, 7 Monate früher als geplant. Ich bin traurig. Und irgendwie auch erleichtert. Die letzten Wochen waren anstrengend. Bleibe ich, bleibe ich nicht? Wie lange wird die Pandemie anhalten? Was ist vernünftig?

Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst,
erzähle im von Deinen Plänen…

blaise pascal (1623-1662 französischer mathematiker & philosoph)


Es wurde jetzt Zeit. Leider. Australien gab bekannt, dass keine Touristen-Visa verlängert werden und wir bitte das Land verlassen möchten. Da mittlerweile absehbar war, dass auch hier am anderen Ende der Welt der Virus nicht so plötzlich verschwinden wird, und auch so schnell kein Alltag absehbar sein wird, war ich nun froh über mein Rückflugticket. Das Auswärtige Amt hat einen großartigen Job gemacht, die Infos waren fast minutenaktuell, so dass ich frühzeitig informiert war, dass Qatar Airways noch einmal kurz die Kontingente ausbaut. Da habe ich gleich zugeschlagen. Es kann wirklich kein Deutscher in Australien behaupten, er würde dort feststecken oder der Staat kümmere sich nicht um ihn. Völliger Blödsinn. Man wurde ausreichend und frühzeitig informiert, es gab 4 Tage vor meinem Flug sogar ein offizielles Rückholprogramm von 3 unterschiedlichen australischen Flughäfen. Wer jetzt noch dort ist, der hatte einfach keine Lust sich zu kümmern.

9.4.2020, Flughafen Sydney wie ausgestorben

Das Abflug-Terminal voll mit Anfang 20jährigen Work and Travellern, die sich jetzt auch auf den Heimweg machen. Darunter viele, viele Deutsche. Im Terminal ist alles sehr friedlich. Auf den Sitzbänken liegen laminierte Schilder verteilt, dass man bitte den Abstand von 1,5m einhalten möchte. Im Terminal ist nur noch eine einzige Kaffeestation geöffnet. Abflug Cairns-Sydney. In Sydney muss ich erst mal wieder meinen Koffer vom Band holen und den Bus zum International Terminal nehmen. Wieder einchecken – dieses Mal ein hoffentlich letztes Mal.
Sydney Flughafen: ein komisches Gefühl. Heute vor genau 1 Monat kam ich hier an, alles noch friedlich, der Flughafen voll, und eine tolle Woche in dieser Stadt stand mir bevor. Heute vor genau 2 Monaten bin ich in meinem ersten Ziel – Kapstadt – angekommen. Der 9.: irgendwie eine denkwürdige Zahl!
Knapp 17 Stunden bis Doha, kaum Schlaf in einem zusammen gepferchten Flieger. Neben mir sitzen 2 österreichische Mittzwanziger, die sich in Australien einen Camper gekauft hatten, mit dem sie die Ostküste raufdüsen wollten. Sehr weit kamen sie nicht, denn frühzeitig wurde ja die Grenze von Queensland dicht gemacht, und sie mussten ganz schnell zu ihren Ungunsten den Camper wieder verkaufen. Die Jungs tun mir leid. Wobei, nö ging mir ja irgendwie ähnlich.

Ankunft Doha. Keine Ahnung, wie früh oder spät es ist. Ich weiß nur, ich bin verdammt müde. Doha Airport ist schon wieder lustig: im Vergleich zu den beiden anderen Flughäfen steppt hier echt der Bär. Irgendwie klar, denn Doha ist noch eines der wenigen überhaupt operierenden Drehkreuze weltweit. Ich bin neugierig, von wo hier die Leute so hinfliegen. Es geht nach Dallas, Philadelphia, Dublin, Paris, Wien und eben Frankfurt. Der Food Court ist offen und überaus frequentiert genutzt. Mittlerweile weiß ich, dass es hier 6h morgens ist (in Cairns 7 Stunden später) und dass es in 4 Stunden erst weiter geht. Na gut, dann doch noch einen Flat White. Hello Australia! Dann endlich Boarding für den letzten Flug. Im Flieger neben mir wieder ein 20jähriger, diesmal aus Tübingen, der auch kurzerhand seinen Camper verkaufen musste in Australien. Ich fühle mich ein wenig wie auf Klassenfahrt. Die meisten Passagiere kommen aus Australien oder Japan – alles Rückreisende nach Deutschland. Knappe 7 Stunden Flugzeit. Wir landen sogar 40 Minuten früher als geplant. Ich bin da!!! Uund happy. Ich freue mich jetzt auch auf Zuhause. „

(Kar)Freitag, 11. April 2020
Deutschland

„Der ICE nach Siegburg ist total leer. Und das an einem Karfreitag! Ich fnde es super angenehm und lese mir erstmal den Zettel durch, den ich am Flughafen ausgeteilt bekommen habe: 14 Tage Quarantäne für alle Einreisenden aus dem Ausland! Wusste ich schon! Diese Regelung gilt genau ab heute, den 10.4.20. Ich hätte es sowieso gemacht. Man soll bei seinem örtlichen Gesundheitsamt anrufen. Mach ich! geht natürlich keiner dran an diesem Feiertag. Ankunft Siegburg.

Ab zur letzten Fahrt: Taxi nach Bonn. Zu Papa ins Souterrain! Denn eine Wohnung habe ich ja aktuell nicht mehr – die ist untervermietet. Auf der Fahrt wundere ich mich, wie viele Leute doch draußen so unterwegs sind: zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das war in diesem Ausmaß in Australien nicht der Fall. Und das, obwohl das Wetter dort noch viel besser war und es viel weniger Infizierte gab.

Jedenfalls hat mich Deutschland mit Kaiserwetter empfangen. Das hat mir das Ankommen dann doch sehr leicht gemacht. Papa kommt die Einfahrt hoch mit Mundschutz und Gummihandschuhen, ich laufe mit Sicherheitsabstand an ihm vorbei und direkt von außen am Haus vorbei zum Eingang des Souterrains. Komisch, sich nach 2 Monaten nicht drücken zu dürfen. Aber ich werde mit einem wunderbaren „Welcome, Kathrine!“Schild empfangen. Zuhause! Also doch! Es fühlt sich wirklich ein wenig wie zuhause an. Am Abend ruft tatsächlich gegen 19h noch das Gesundheitsamt an, um meine Daten aufzunehmen. Ich bin nun also ganz offiziell in Quarantäne. Und irgendwie finde ich das alles, was ich die letzten Tage erlebt habe, sogar ganz schön spannend.“

Komisch, rückblickend meine Aufzeichnungen vom Beginn einer Pandemie zu lesen. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe, als ich in Cairns die finale Entscheidung traf, zurück nach Deutschland zu fliegen. Ich wollte mit aller Gewalt zunächst an dem Traum festhalten. An meinem Traum. Bis die Vernunft siegte, und mir wahrscheinlich auch da schon bewusst wurde, das hier wird keine Pandemie von 4 Wochen. Ich erinnere mich auch, wie einsam und verloren ich mich gefühlt habe. 3 Wochen saß ich schon in meinem Airbnb-Haus im Wohngebiet von Cairns, und alles stand still. Die Vorstellung, noch Wochen in diesem Haus ganz alleine eingesperrt zu sein, und womöglich dann keine Chance mehr zu haben, den Rückflug antreten zu können, ließ mir die Entscheidung dann doch leichter fallen. Ich weiß nicht, ob ich das mit Mitte 20 gemeinsam mit anderen Backpackern vielleicht noch anders gesehen hätte, aber als 43-jährige Alleinreisende war die Entscheidung klar.
Ein paar Tage nach meinem Rückflug musste ich lesen, dass Qatar Airlines tatsächlich meine Zubringerflüge für kommende Termine gestrichen hatte. Es war wohl intuitiv der richtige Zeitpunkt. Für mich.

Dann kam die ätzende Phase. Heimat heimatlos. Kann man sich das vorstellen. Ich saß in Bonn und habe die Krise bekommen.

„Den April und Mai verbrachte ich überwiegend damit, frustriert zu sein. Ich war innerlich total unruhig. Wie es allen so ging, war auch für mich diese unvorhersehbare und unberechenbare Phase schwierig. Ich habe in dieser Zeit gemerkt, wie wichtig es für mich ist, ein Ziel zu haben. Und wie wenig planbar das Leben ist – denn es kommt immer anders als man denkt. Eine weitere Herausforderung für mich kleinem Strukturfuchs. Ich habe mich der Herausforderung gestellt, ob ich wollte oder nicht. Einfach kann schließlich jeder. Es waren weniger Existenzängste, die ich hatte. Vielmehr war es ein ganz komisches, heimatloses Gefühl, obwohl ich in meiner Heimat war. Kein Job, keine Wohnung, Freunde konnte man nur unter gewissen Auflagen sehen. Schwierig. Frustriert verschwand ich eine Weile in das Zweithaus meiner Tante ins Münsterland: ein wundervoller Ort, mitten zwischen den Feldern, mit einem riesigen Garten und Froschteich.

Nach 2 Monaten kam mir dann endlich ein Gedanke. Ich wusste es musste irgendwie weitergehen mit mir. Das einzige, was ich noch besaß, war mein Ford Kuga. Also nutzte ich die nächste Gelegenheit, nachdem die Ämter wieder öffneten, meldete ihn wieder an und taufte es auf den Namen KatMobil.

Ich hatte neue Motivation und Lust auf Abenteuer und vor allem auf Freiheit. Und in meinem Auto zu schlafen, schien mir in diesen Zeiten sogar als perfekte Lösung. Mein Ford Kuga ist hinten lang genug, dass ich längs liegen kann. Und so half mir Papa, eine optimale Liegefläche zu basteln aus Styropor, Brettern und Isomatte. Mama nähte mir noch einen Vorhang für die Nächte und gab mir eine passende Matratze mit. Und ich kleine Orga- und Dekomaus konnte meine kreative Ader wieder einmal entfalten und bastelte eine Lichterkette ein, ein „to the beach“ Schild, Vorhangvorrichtungen für die Seitenfenster, packte Becher, Teller, Gewürze in kleinen Behältern zusammen. Wer mich kennt, weiß, dass ich überhaupt kein Campingtyp bin, aber ich muss vielleicht korrigieren und sagen: war.“

Und dann ging es am 1.6. los! Ich bin losgefahren. Ohne Plan und ohne Ziel. Mit meinem Kat-Mobil durch Deutschland. Und dann durch Frankreich und Italien. 5 Monate. Natürlich habe ich nicht immer in meinem Auto geschlafen. Aber ich, die immer die schicksten Hotels gewohnt war, habe plötzlich dieses Gefühl der Freiheit so sehr genossen und mich so wohl dabei gefühlt. Ich hatte die schönste Zeit! Und habe festgestellt, dass es nicht unbedingt die ganze Welt braucht, um die Schönheit unserer Welt zu entdecken!

Life ist an attitude!

Kathi

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